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Die Kloßwelt in Heichelheim

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Die Thüringer Kloßwelt in Heichelheim ist so etwas wie das Disneyland für Klöße. Hier wird dem Thüringer Nationalgericht sogar ein ganzes Museum gewidmet. Dazu gibt es ein Kloßcafe, einen Verkaufsshop und ein Museum über die Speiseeisentwicklung in Mitteldeutschland sowie den Automobilbau in Eisenach (Wartburg und Co.).

Heichelheim ist eine kleine Ortschaft nördlich von Weimar, die bereits „hinter“ dem Ettersberg liegt. Es wäre auch nur ein weiteres, unscheinbares Dorf, wenn nicht die Kloßmanufaktur von Ablig Feinfrost mit angeschlossener Kloßwelt dort ihren Standort hätte. Dieses Ausflugsziel hat sich mittlerweile einen überregionalen Bekanntschaftsgrad erarbeitet, so dass im Sommer durchaus schon mal Reisebusse auf dem Parkplatz vor der Kloßwelt halten.

Kloßmanufaktur Heichelheim

Kloßmanufaktur

Warum mit Manfred Krug alles anfing …

Um Heichelheim gab es schon zu DDR Zeiten einen extensiven Kartoffelanbau und Fabrikanlagen zur Weiterverarbeitung der edlen Knolle. Nach der Wende musste sich der Anbieter dennoch völlig neu aufstellen, wobei die Einrichtung eines Kloßmuseums eher zufällig und unbeabsichtigt geschah. Schuld daran trägt übrigens Schauspieler und Sänger Manfred Krug. Es war wohl 1995, als Manfred Krug dem Geschäftsführer der Albig GmbH auf der Grünen Woche in Berlin sein Leid klagte: die alte Kloßpresse hatte ihren Geist aufgegeben und Norddeutschland war kein Ersatz aufzutreiben, geschweige denn dass jemand mit dem Begriff etwas anzufangen wusste. Der Geschäftsführer versprach dem geknickten Entertainer für Ersatz zu sorgen und zurück in der Heimat startete er einen Aufruf, alte Kloßpressen nach Heichelheim zu senden. Der Erfolg dieser Aktion war wohl überwältigend, so dass mehr Kloßpressen, aber auch anderes Gerät, eingingen, als man hätte gebrauchen können. Was lag näher, als aus diesen gesammelten Schätzen ein Kloßmuseum einzurichten?
Manfred Krug hat dann 2 Jahre später natürlich eine niegelnagelneue Kloßpresse erhalten und kann seine Vita um einen weiteren kuriosen Punkt erweitern. Sein Dankesschreiben sowie ein zeitlicher Ablauf der Ereignisse sind auch im Kloßmuseum ausgestellt.

Die Museumslandschaft

Werksverkauf Heichelheim

„Hofladen“

Vorne rechts im Eingangsbereich findet man den Kassenbereich und die Essensausgabe des Kloßcafes. Die Sitzplätze sind gleich links gegenüber. Als ich die Kloßwelt besuchte, standen u.a. Thüringer Klöße mit Gulasch sowie ein Kloß-Burger auf der Speisekarte. Kartoffelpuffer bzw. Reibekuchen gab es wohl auch. Die Sitzgelegenheiten könnten gemütlicher sein, aber das Ganze ist auch nicht als Restaurant konzipiert sondern wie alles in der Kloßwelt nur eine Beigabe. Insgesamt macht das alles den Eindruck einer bunten Mischung: hinter den Tiefkühltruhen mit fertigen Kartoffelklößen, Speiseeis, Reibekuchen, Plundergebäck und Gemüse steht gleich das Bücherregal mit Werken zur DDR Geschichte, Kochbüchern oder auch Kloßpressen und -säckchen. Gleich im Anschluss werden Lebensmittel aller Art angeboten. Das reicht von Thüringischen Kräuterlikören, über Senf in tausend Geschmacksrichtungen bis zu Che Guevara Schokoladen und Konfitüren im Glas. In einem weiteren, abgetrennten Raum kann man dann sogar Lagerkartoffeln in 10 Kio Säcken oder Gartengeräte kaufen. Wie gesagt, alles sehr bunt arrangiert.

Die Museumsbereiche der Kloßwelt schließen sich gleich in der erste Etage an, die man über ein Drehgitter und die Treppe erreicht. Der Eintritt kostet 2 € pro Erwachsener. Ticket und Chip für die Drehtür sind an der Kasse zu erwerben.

Wartburgs in der Kloßwelt Heichelheim

Wartburgs

Es beginnt mit einer Ausstellung über den Automobilbau in Eisenach. Das bedeutet hauptsächlich: Wartburgs in diversen Ausführungen. Ob nun die ersten Nachkriegsbauten, die noch nicht den Traditionsnamen Wartburg trugen (ein besonders schönes Exemplar mit Kurbelanlasser steht wie in einer alten Scheune im vorderen Bereich) oder das damals aufsehenerregende Modell 311 – hier wird ein Stück Geschichte wieder lebendig.
Die Wartburgfahrer von einst sind übrigens sehr leicht aufgrund ihres wilden Gestikulierens beim Blick in den Motorraum zu erkennen. Nebenbei gibt es auch verschiedene Modelle des Kleintransporter Barkas und auch Motorräder und -roller aus Ostzeiten zu bestaunen. Da schwingen wirklich viele Erinnerungen mit, wenn man zum Beispiel eine Schwalbe sieht, mit der die eigene Großmutter damals täglich zur Arbeit gebraust ist.

Eine halbe Treppe höher ist es endlich soweit: man wird in die Geschichte des Kartoffelkloß eingewiesen. Wann wurden Kartoffeln in Deutschland eingeführt? Ab wann ist der Kloß nachweislich verbürgt? Welche Duzend andere Namen trägt er in Thüringen noch?

Kloßmodell im Museum Heichelheim

Riesenkloß

Es gibt zum Beispiel das größte mir bekannte Modell eines Kartoffelkloßes, das man sogar begehen kann. Kulinarische Kunst sozusagen.
Eine Kugelbahn erzählt auf spielerische Art und Weise, welche Arbeiten alles vonnöten sind, bis eine dampfende Schüssel dieser Leckerei auf dem Essenstisch steht. Mittels einer Kurbel setzt man einen Lift in Bewegung, der eine Holzkugel transportiert, die auf einer Holzbahn verschiedene Stationen durchrollt.

Kugelbahn Kloßmuseum Heichelheim

Kloßpresse

Jede Station stellt einen Arbeitsschritt des Klöße-Zubereitens dar und wird anhand von Holzfiguren visualisiert. Kartoffel schälen, reiben, auspressen, Klöße kochen … spielerische Kochanleitung. Ich habe keinen Erwachsenen gesehen, der diese Anlage nicht einmal ausprobiert hat.

Gerät zur Messung von Saugkraft für Soße vom Kloß

Kloßforschung

Eine skurile technische Anlage aus der Kloßforschung ist die Apparatur zur Ermittlung der Soßen-Saugkraft eines Kloßes. Das sind immerhin systemimmanente Fragen, die die Lebensmittelproduzenten beschäftigen: wie lange muss ein Fertigkloß ziehen, bis er gar ist? Wieviel Soße nimmt er auf? Gerade heute, wo Lebensmittel (vor allem Fertiggerichte) High-Tech-Produkte sind, muss alles stimmen und vorhersagbar sein. Da ist nicht mehr viel Platz für individuelle Rezepturen. Leider.

Speiseeismuseum Heichelheim

Speiseeismuseum

Einen Raum nebenan hat man für Zeugnisse der Speiseeiskultur reserviert. Eisschränke von anno dazumal, Eiszapfanlagen, Eisbecher aus dem Palast der Republik, Originalverpackungen von DDR Eisklassikern.

Kleiner Tip: Erst alles besuchen und nach der Stärkung im Kloßcafe die teifgefrorenen Andenken für zuhause erwerben.

Schade, dass die Heichelheimer Mühle (ein ehemaliges Restaurant mit Hotelbetrieb) derzeit geschlossen ist und einen neuen Besitzer/Pächter sucht. Das war früher die Werkskantine des Kartoffelschälbetriebes Heichelheim und liegt malerisch am Ortsrand umgeben von Feldern und einem Stausee.

Lage und Anfahrt

Das im Windschatten des Ettersberges liegende Heichelheim erreicht man von Weimar über die Ettersburger Straße. Einmal über den Weimarer Hausberg hinweg und am entsprechenden Hinweisschild rechts abgebogen. Nach der Abbiegung sind es noch etwa 3 Kilometer.

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